Heinz Krügel wurde am 24. April 1921 im heutigen Zwickauer Stadtteil Planitz geboren.

Es war die richtige
Entscheidung im Sommer 1966 nach dem Abstieg aus der Oberliga, mit dem
erfahrenen Heinz Krügel, einen Trainer der alten Schule zu verpflichten.
Immerhin eilte ihm der Ruf voraus sowohl Empor Rostock, als auch Chemie Halle
auf direktem Weg in die Eliteklasse zurück gebracht zu haben. Aber Heinz Krügel
wollte in Magdeburg mehr erreichen, er sah das hervorragende Potential, was sich
vor allen auf die Nachwuchsarbeit bezog. Setzte er in den ersten 3 Jahren noch
auf Erfahrung, so begann er zielgerichtet ab 1969 junge talentierte Spieler
gegen die alten Haudegen auszutauschen. Das war ein Weg der sich auszahlen
sollte. Als der 1.FCM 1972 zum ersten Male Meister wurde, hatte man die jüngste
Stammelf der ganzen Liga und war obendrein die jüngste Meistermannschaft der DDR
aller Zeiten.
Heinz Krügel war mit Sicherheit kein einfacher Zeitgenosse, aber er war
geradlinig, erfolgsorientiert und eine absolute Autorität. Noch bis zuletzt
redeten ihn seine ehemaligen Spieler, selbst ein Manfred Zapf, damals sein verlängerter
Arm auf dem Spielfeld und in viele Entscheidungen was die Mannschaft betraf mit
eingebunden, respektvoll mit „Sie“ und „Trainer“ an. Auch konnte er
junge Menschen führen und sie zu Persönlichkeiten entwickeln. Sehr wichtig
waren Krügel auch immer der Zusammenhalt der gesamten Mannschaft und die
Einbindung der Familien.

Er selbst sah den FCM
als eine „große Familie“ an. Und ihm war klar, dass zum Erfolg nicht nur
ein Trainer und 11 bzw. 16 Spieler gehören, sondern auch das Umfeld intakt sein
muss. Aber er gab den Ton an und bestimmte die Richtung. Und Heinz Krügel wäre
sich untreu geworden, wenn er sich wie damals im DDR-Leistungssport
üblich von den Parteioberen seine Arbeit hätte vorschreiben lassen.
Trainingspläne vom DTSB bzw. DFV
ausgearbeitet waren für ihn nicht bindend. Viel mehr interessierte er sich auch
für westliche Trainingsmethoden, weil er sah, dass man dort Erfolg hatte. Natürlich
machte er sich damit in der sportpolitischen Spitze keine Freunde. In Magdeburg
lag er im jahrelangen Dauerclinch mit dem damaligen 2.Sekretär der SED-Bezirksleitung
Walter Kirnich. Die Erfolge des FCM waren für ihn das
Ergebnis seiner harten Arbeit und der seiner Mannschaft und keine Errungenschaft
des Sozialismus wie Kirnich ihm ständig erklären wollte. Auch die Rapporte zu
denen der SED-Mann ihn und Groth wöchentlich einlud
waren aus Krügel`s Sicht lästig und unnötig. So kam es schon mal vor, dass er
dort überhaupt nicht erschien oder provokativ in Trainingskleidung. Überliefert
sind folgende Worte Krügels an Kirnich: „Mein Arbeitsplatz ist das Grube
Stadion“ und „Fußball wird auf dem Rasen gespielt und nicht in der
Bezirksleitung“. Im Endeffekt war es wohl vor allen Kirnich der Heinz Krügel
bei der erstbesten Gelegenheit zum Abschuss freigab. Ein Trainer, der den größten
Erfolg des DDR-Vereinsfußballs ermöglicht hatte und
bei vielen westeuropäischen Vereinen mit Kusshand einen Job bekommen hätte,
wurde es über Nacht unmöglich gemacht in seinem Beruf weiterzuarbeiten. Noch
heute ein unbegreiflicher Skandal, der auch den Verein unter Umständen um
weitere größere Erfolge brachte.
Was Heinz Krügel auch nicht ertragen konnte war Ungerechtigkeit. Ihn wurmte es
z.B. mächtig wenn seine Spieler nicht nach der Leistung auf den Platz, sondern
nach beruflicher Qualifikation bezahlt wurden.
Und er achtete mit Argusaugen darauf, dass keiner seiner Spieler abhob. So wurde
ein Martin Hoffmann auch schon mal ins Trainerzimmer zitiert als Heinz Krügel
zu Ohren kam, dass sich der Jungstar einen Wartburg kaufen wollte. Krügel überzeugte
seinen Schützling, dass für ihn zum Anfang ein Trabant reichen sollte.
Heinz Krügel war auch ein großes Schlitzohr und kannte keine Furcht vor großen
Namen. Westdeutsche Journalisten schockierte er bei einer Spielbeobachtung in München
im Vorfeld der EC Begegnungen mit dem FC Bayern mit der Tatsache, in Gesprächen
mit ihnen, den großen Franz Beckenbauer nicht mit „Kaiser“ oder
„Beckenbauer“, sondern ganz schlicht und einfach als „Spieler mit der
Nummer Fünf“ zu betiteln.
Nach der Wende und erfolgter Rehabilitierung wollte Heinz Krügel noch einmal
zeigen, was in ihm steckt. Er wurde 1990 Sportdirektor beim 1.FCM. Eine aus
heutiger Sicht wohl unglückliche Entscheidung. Das Ende ist bekannt, auch ein
Heinz Krügel (damals immerhin schon 69 Jahre alt) konnte den Absturz in die
Bedeutungslosigkeit nicht verhindern.
Seiner Beliebtheit bei Fans und Sympathisanten des Vereins tat dies aber keinen
Abbruch.
Heinz Krügel stand auch weiterhin treu zu seinem 1.FCM, er war nahezu bei jedem
Heimspiel im Stadion und außerdem Mitglied des Ehrenrates.
Im Alter von 87 Jahren verstarb Heinz Krügel nach schwerer Krankheit am
27.Oktober 2008 in Magdeburg.

Sportlicher Steckbrief
Spieler von 1926-1948 beim Planitzer SC (nach 1945 SG Planitz)
1.Ostzonenmeister mit der SG Planitz 1948, fehlte aber im Endspiel aufgrund einer Verletzung
1949-1951 Spielertrainer bei Fortschritt Crimitschau
1951 verletzungsbedingte Beendigung seiner Laufbahn als Fußballer
1951 Landestrainer Sachsen
1951-1953 Trainer KVP Vorwärts Leipzig
1954-1956 Trainer Einheit Ost / SC Rotation Leipzig
1957-1958 Trainer SC Empor Rostock (Wiederaufstieg 1957)
1959-1961 DDR-Nationaltrainer
1961-1966 Trainer SC Chemie Halle / HFC Chemie (FDGB-Pokalsieger 1962)
1966-1976 Trainer 1.FC Magdeburg
Wiederaufstieg 1967
FDGB-Pokalsieger 1969/ 1973
DDR-Meister 1972/1974/1975
Europapokalsieger 1974
1976-1986 Leiter des Sportobjektes Bodestraße
1990-1991 Sportdirektor beim 1.FC Magdeburg

